Berlin liebt die Platte, das gilt in mehr als einer Hinsicht. Da ist einmal der ‘Ostblock’, die alte etwas vom Aussterben bedrohte Wohneinheit des einstigen Arbeiterstaats, da ist das Vinyl, der old-school Tonträger des analogen Authentizismus und da ist die Ping-Pong-Platte, die in Stein oder Holz gehauene Antithese zum Leistungssport.
So sind überall in Berlin ständig ‘Schlägertrupps’ unterwegs und an fast jeder Ecke oder auch auf gerader Strecke spielt eine Kecke oder reckt sich ein Recke nach dem Rund über dem Eckigen, das nicht die Welt bedeutet. Der Tisch repräsentiert im Gegensatz zu seinem fieseren Vetter Feld nämlich eben keinen Fetish. Zwei Pingpongs in der Buxe sind einfach locker, lässig, lose im Vergleich zur von Tennis-Bällen vollgestopften dicken Hose.
Grundlos, also ohne Feld, spielt der Berliner Schlägerheld so allerorts wie es ihm gefällt und das ist auch wie er den Schläger hält, nach dem Haupstadt-Motto ‘Hauptsache Spaß’. Hamburg zum Beispiel ist großes Tennis, München vielleicht Fußball oder Golf, Berlin ist Ping-Pong: Bewusst underdressed, Leck mich am A…, Bonanza! My United States of Whatever! Arm aber handlich!
Wenn man das versteht, dann versteht man Berlin und versteht warum die alten Libertines es nicht gern sehen wenn die Neo-Liberalen mit ihren Sports Utility Vehicles vorfahren, Parkraum bewirtschaftet wird und Freiräume zerstört, Freiräume für Idealisten, Dichter und Boheme, für Kreative, Bastler und Bequeme, für die Clubs der Visionäre und der Polnischen Versager.
Berlin, dat is schroffe Poesie, dat is die Asphalt-Blume, die rotzige Göre und auch der Hipster in den skinny Jeans, der Röhre. Die da sagen “Wer schaffe schaffe will der soll ins Ländle zieh’n, nicht nach Berlin, hier im Kiez residiert der Müßiggänger und der schläft halt länger”. Ja, Ping-Pong dat is voll Berlin auch wenn es nach Hong Kong klingt, Berlin – da wo dir keener zu wat zwingt und jeder sich wie es ihm beliebt verdingt- Ping-Pong-Paradies Berlin. Berlin liebt die Platte – auch oder auch gerade wenn ‘se nen Sprung hat.
Für einen englischen Artikel zum Thema Boheme, Lebensstil Berlin siehe auch folgenden Link sowie auch diesen
Unt – http://www.ota-berlin.de/blog/category/berlin/economy/berlin-gentrification/ & -http://www.ota-berlin.de/blog/category/berlin/berlin-tourist-attractions/architecture-berlin/
Aus der Berliner Zeitung -”Berlins Osten ist als Wohnort wieder gefragt. Weil die Mieten in der City steigen, ziehen die Menschen an den Stadtrand. Aber nicht nur Arme kommen. Wir haben einige Plattenbau-Bewohner porträtiert.” http://www.berliner-zeitung.de/berlin/plattenbau-bezirke-keine-schmuddelkinder-mehr,10809148,11562058.html
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